Cryptoparty im West Germany

Das WWW und seine digitalen Mittler können demokratisierende Instrumente für den Wandel sein – reflektiert genutzt und für alle zugänglich. Auf der Cryptoparty lernt ihr im entspannten und nichtkommerziellen Rahmen einiges über Verschlüsselung und Verschleierung und Open Source Software. Besonders für Einsteiger*innen geeeignet.

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Mittwoch 14. September, 20-24h

  • Ort: 20.00 Uhr Westgermany – Skalitzer Straße 133, 10999 Berlin, 2. Stock! (Eingang von der Straße aus, rechts neben den Geschäften; Tür ist mit CryptoParty Logo markiert)
    Ende: ca. 24:00 Uhr
  • Sprachen: Englisch und Deutsch
  • Dauer ca. 4 Stunden

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Die Veranstaltung

(Beschreibung auf wikipedia)

Vorläuferin der CryptoParty ist die Keysigning-Party. Diese kam auf, um die Verbreitung von PGP zu fördern und durch gegenseitiges Signieren von PGP-Schlüsseln ein Web of Trust aufzubauen. Als Nachfolger der Cypherpunks wurde das Konzept im späten August 2012 in einer beiläufigen Twitter-Konversation zwischen einer australischen Datenschutz-Aktivistin (mit dem Pseudonym Asher Wolf) und Computersicherheitsexperten erdacht, nachdem das Cybercrime Legislation Amendment Bill 2011 vom australischen Parlament verabschiedet und der Vorschlag eines zweijährigen Vorratsdatenspeicherungsgesetzes gemacht wurde.

Die DIY-Bewegung wurde sofort viral, mit einem Dutzend unabhängig organisierten CryptoPartys in Australien, Deutschland, den USA und Großbritannien. Bald wurden viele mehr in Chile, den Niederlanden, Hawaii, Asien, etc. abgehalten. Die Tor-Benutzung in Australien stieg deutlich und dauerhaft an und die CryptoParty in London mit 130 Anwesenden musste vom London Hackspace zum Google Campus verlagert werden. Weltweit wurden bis Mitte 2013 über 100 CryptoPartys, davon einige regelmäßig, abgehalten.

CryptoParties sind für jedermensch offen und insbesondere interessant für Menschen ohne Vorerfahrungen. Sie sind kostenlos und machen Spaß! CyrptoParty ist eine dezentrale Bewegung mit Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Das gemeinsame Ziel ist es, Wissen weiterzugeben, das im digitalen Raum schützt. Dabei geht es unter anderem um verschlüsselte Kommunikation, trackingfreies Surfen und generelle Sicherheitshinweise für Computer und Smartphones. Bringt eure Smartphones und Laptops mit und probiert euch aus!

Mögliche Themen

  • Kommunikation verschlüsseln
    Emails (PGP)
    Chat (XMPP und OTR)
    Mobile Messenger (Signal)
    Surfen
    Browser Add-Ons
    Anonym Surfen (Tor)
    Daten verschlüsseln
    VeraCrypt (vormals TrueCrypt)
    LUKS unter Linux

Diese (und gern auch weitere) Themen werden für Laptop und Handy angeboten. Leider sind nicht alle Tools fürs Handy verfügbar. Auf https://cryptoparty.in/learn/tools gibt es eine Übersicht von empfohlenen Programmen und Apps.

Passwortsicherheit und -manager brauchen wir häufiger und machen es mit den anderen Themen zusammen.

Wir helfen auch gerne beim Installieren von Linux oder Tails (sicheres und anonymes Betriebssystem….bei Interesse bitte USB Stick mitbringen).

Ablauf

20 Uhr: Ankommen, Platz suchen kurze Willkommens- und Einführungsrede, evtl. gefolgt von Kurzvorträgen
spätestens um 20.30 Uhr werden die Laptops aufgeklappt, spezifische Themen diskutiert, zugehörige Programme eingerichtetRegeln
Fotographieren und Filmen wird nicht erlaubt sein, bitte lasst die Kameras in euren Taschen.
Rauchen ist auf der Terrasse möglich.
Der Ort

Das WestGermany versteht sich als „Antidepressiva gegen die neoliberale Ideologie“ und „hetero-utopisches Gemeinschaftsprojekt“. Mitten im postmodernen Betondinosaurier am Kottbusser Tor Kreuzberg werden Ausstellungen, Performance-Art und Musikveranstaltungen angeboten und ausschließlich via Mundpropaganda angepriesen.

Wir wollen kritische, sozial-engagierte, für ein weites und verschiedenstes Publikum offene interaktive Kunst in Anlehnung an postmoderne Avantgarden (s.o., New Genre Public Art, Situationismus) und deren aktuellen Strömungen, als deren zeitgenössische Aktivisten wir uns sehen. Diesen ging und geht es u.a. um realen demokratischen Austausch und Überwindung sozialer Barrieren in der Kunst, also um eine soziale Kunst im strikten Sinne, die starke, nicht nur ästhetische, sondern auch emotionale Bindungen, Symbolisierungen und Realisierungsmöglichkeiten von solidarischen Werten wie auch von individualbewusstseinsmäßigen Freiräumen für Spontaneität und Utopie, für Selbstorganisation und Herstellung von (Gegen-) Öffentlichkeiten erzeugt.

http://www.westgermany.eu/


Teilnehmendenbericht

Dieser Workshop zum Thema Anonymität, Verschlüsselung und Open Source in der digitalen Welt wurde von anonymen Netzaktivisten im Westgermany am Kottbusser Tor veranstaltet. Unter den 25 Teilnehmer*Innen befanden sich übrigens mehr Frauen als Männer und die Allermeisten sind durch die Wandelwoche auf die Cryptoparty aufmerksam geworden (und zum ersten Mal auf einer Veranstaltung dieser Art).

Dass es von dieser Veranstaltung mit dem Fokus Datenschutz und Anonymität weder Bilder noch Teilnehmer*innen-Listen gibt, liegt auf der Hand. Dies gehört zu den wenigen Regeln einer Cryptoparty – für den sonstigen Verlauf des Abends bestehen die Veranstalter auf einer „chaotischen Organisation“.

Cryptopartys sind vor vier Jahren in Australien mit dem Ziel entstanden, die Nutzung einfacher Tools rund um Datenschutz, Anonymität und allgemeine Sicherheit in der digitalen Welt einem breiten Publikum zu vermitteln. Mittlerweilte finden weltweit jede Woche ca. 100 Cryptopartys statt, davon eine bis zwei in Berlin (Kalender unter https://www.cryptoparty.in/berlin).

Die heutige Party ist besonders gut besucht. Wir sitzen in einer zertrümmerten Zahnarztpraxis, dem Sitz des Non-Profit-Projektes WestGermany, direkt am Kotti. Der Abend wird von R. und D., zwei Netzaktivisten, eingeleitet, die selbst sich nicht als große Experten definieren möchten und sich daher freuen, wenn Teilnehmer*Innen auch mit ihrem Wissen zum Abend beitragen. Diese Hierarchielosigkeit spiegelt sich im Verlauf des Abends wider. In einer ersten Runde wird gefragt, wer zu welchen Themen etwas erklären möchte. Ein Bildungsangebot entsteht damit an diesem Abend zu den fünf Themen

Datenverschlüsselung bei Emails und Chatprogrammen, Anonymität beim Surfen, Installation von Linux, Verschlüsselung von Laufwerken sowie Verwendung eines portablen Betriebssystems (Tails) vom bootfähigen USB-Stick. Die Teilnehmer*Innen entscheiden in einer zweiten Runde, welchen Workshop sie besuchen möchten. Einige sind auch mit ganz spezifischen Fragen gekommen (z.B. Datenverschlüsselung unter Android) und suchen sich dafür die passende Ansprechpartner*in.

Der Workshop „Anonymität beim Surfen“ ist alles andere als ein Hackathon oder eine Programmierungsrunde. Dabei geht es zunächst vor allem darum zu verstehen, wie das Internet funktioniert, welche Daten übermittelt werden und was man dagegen tun kann. Dieser Wissenstransfer erfolgt zuerst zwischen den Teilnehmer*innen. Nachdem alle ihre eigenen Vorstellungen des WWW erläutert haben, muss der Moderator nur noch ergänzen und zusammenfassen.

Themen wie Fingerprinting werden anhand der Webseite https://panopticlick.eff.org erläutert. Wir erfahren, dass Browser standardmäßig so viele Informationen über ihre Nutzer*innen und ihre Konfiguration versenden (Auflösung, aktuelle Java-Version, installierte Schriftarten…), dass sie damit fast einzigartige digitale Fingerabdrücke hinterlassen. Als Alleskönner-Lösung für ein anonymes Surfen wird das System TOR (http://torproject.org/) vorgestellt, das auf einer Community von 7000 auf der Welt verteilten Servern basiert. Die Sicherheit des Systems wurde übrigens von den Snowden-Unterlagen bestätigt: die NSA ist bisher daran gescheitert, TOR-Daten zu entschlüsseln. Für die Nutzer*innen unterscheidet sich das Surfen über TOR nicht von der Nutzung eines „klassischen“ Browsers, die Geschwindigkeit beim Surfen ist lediglich leicht reduziert. Da eine hohe Anzahl an TOR-Nutzer*innen eine zusätzliche Sicherheit für Aktivist*innen gewährleistet, wird übrigens empfohlen, das System auch für die alltägliche unkritische Internet-Nutzung zu verwenden. Wie bei den anderen Themen, weigern sich die Veranstalter*Innen allerdings, die Teilnehmer*innen bevormunden zu wollen. Jede*r sollte den eigenen Sicherheitsbedarf und den möglichen und angemessenen Aufwand dafür selbst einschätzen.

Gegen Mitternacht verlassen die letzten Teilnehmer*innen den Raum mit Laptops voller neuer Programme und Köpfen voller neuer Gedanken. Ob die Programme auch weiterhin verwendet werden ist in dem Moment zweitrangig. Wichtiger ist die Erkenntnis, dass sich der Wandel in der Gesellschaft von einem Wandel in der Technik begleiten lässt.


Mittwoch 14. September, 8-0 pm

8.00 pm – Westgermany – Skalitzer Straße 133, 10999 Berlin, 2. Stock! (Eingang von der Straße aus, rechts neben den Geschäften; Tür ist mit CryptoParty Logo markiert)
English and German
4 hours

Possible Topics
  • Communication Encryption
    Email (PGP)
    Chat (XMPP and OTR)
    Mobile Messenger (Signal)
    Browsing
    Browser Add-Ons
    anonymous browsing (Tor)
    Data Encryption
    VeraCrypt (previously TrueCrypt)
    LUKS on Linux

All topics are offered for laptops and mobile phones and not limited to those mentioned above. Unfortunately not all tools are available for mobiles though. You can find a list of recommended apps and programs on https://cryptoparty.in/learn/tools.

Passwords and how to manage them is needed quite often and integrated into the other topics.

We also help you to install Linux or Tails (secure and anonymous operating system… please bring a thumb drive if interested).

Timetable

8 p.m.: arriving, find your place, short intro and welcome speech, possibly followed by short lectures
8.30 p.m. (at the latest) we’ll start the laptops, learn about the topics your interested in and install/configure the related softwareRules
Taking photos or filming will not be allowed. Please leave the cameras in your pockets.
Smoking is possible on the terrace.