SoliOli. Solidarität in und mit Griechenland (Tour und Workshop)

Danke an alle für eine spannende Veranstaltung! Die ersten Fotos von Oliver König und einen Bericht von Klaus Prätor findet ihr ganz unten auf dieser Seite.


Die aus dem Solikon2015 hervorgegangene Direktimportinitiative SoliOli und das Selbsthilfeprojekt von und für Arbeitslose „Die Gärtner“ aus Thessaloniki gestalten einen Workshop zur aktuellen Lage in Griechenland und zu Situation und Chancen solidarischer Initiativen. Ein Besuch der „Schnittstelle“ mit kleiner Verkostung informiert zur aktuellen SoliOli-Initiative und zum Vertrieb solidarökonomischer Produkte.

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Sonnabend, 10. September 2016, 13.oo – 18.oo

  • Start: 13.00 Uhr Schnittstelle, Urbanstr. 100, Hinterhof; 15.00 Uhr Laube in den Prinzessinnengärten, U-Bahnhof Moritzplatz (können unabhängig voneinander besucht werden)
  • Dauer ca. 5 Stunden
  • Fortbewegungsmittel: mit Fahrrad oder U8 nur jeweils 10-15 Minuten zwischen den Orten, zu Fuß 30 Minuten
  • Die Tour findet in deutscher Sprache statt, der Vortrag von „Die Gärtner“ in englischer Sprache. Flüsterübersetzung ins Deutsche ist angedacht. Meldet euch gerne, falls ihr uns mit Flüsterübersetzung vom Englischen ins Deutsche unterstützen könnt.

    . Barrierefreiheit mit Einschränkungen. Ggf. bitte info@solioli.de kontaktieren

  • Vor Ort wird um eine Unterstützung zur Deckung der Unkosten gebeten.
  • Für Fragen und Anmeldung  info(at)solioli.de
Die Tour / Der Workshop

Auf der Tour wird die Schnittstelle besucht. Hier werden Nahrungsmittel von Kollektiven, Kommunen, alternativen Projekten und Kleinstproduzent_innen vertrieben. In ihren Räumen kann die erste Lieferung der Direktimport-Initiative SoliOli Anfang Oktober abgeholt werden. In den Prinzessinengärten werden in einem Workshop gemeinsam mit SoliOli das Thema Direktimport vorgestellt und am Beispiel des Gärtner*innen-Projektes „Pervolarides“ im Beisein von Filippos Polatsidis über die Lage solidarischer Projekte in Griechenland berichtet.

Die Diskussionsveranstaltung findet statt in der Nachbarschaftsakademie in den Prinzessinnengärten.

Weitere Beteiligte (Anfrage läuft): Bündnis Griechenlandsolidarität, Attac Berlin (AG Griechenlandsolidarität), Respekt für Griechenland und Allmendekontor

Die Tour wird unterstützt durch Café Libertad Kollektiv e.G. – Vielen Dank! http://www.cafe-libertad.de

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Die Projekte

SoliOli

Die Initiative SoliOli wurde auf dem Solikon-Kongress im Herbst 2015 in Berlin gestartet – durch unseren griechischen Partner  Solidarity4All. Es geht nicht nur um den Import qualitativ hochwertiger und günstiger Produkte. Mit ihrem Erwerb werden selbstverwaltete Projekte solidarischer Ökonomie in Griechenland unterstützt – und damit auch Strukturen für die inländische Versorgung. Das ist kein Gegensatz zu politischer Aktivität, sondern eine Ergänzung, die langfristig die Widerstandskraft gegen politische Erpressung stärken soll. Zudem ist es auch ein Symbol praktischer Solidarität. Wir beginnen mit Olivenöl und Oliven. Wenn wir Erfolg haben, wollen wir Produktvielfalt und Vertriebsformen ausbauen. Weitere Informationen zu Hintergründen sowie zu Produkten und Preisen findet Ihr auf dem beigefügten Informationsblatt sowie auf http://www.solioli.de

Flyer_SoliOli_PDF

„Pervolarides“ (Die Gärtner )

Als eine Selbstfhilfeinitiative von Arbeitslosen für Arbeitslosen bauen die Gärtner Gemüse an, produzieren auch Honig und Milchprodukte. Sie verteilen gespendeten Fisch und Olivenöl aus ungenützten Olivenhainen.

Mittlerweile kümmern sie sich auch um die Arbeiter der selbstverwalteten Fabrik Viome und um Flüchtlinge, die sie versorgen und die ihnen umgekehrt bei der Arbeit helfen. Filippos Polatsidis von den Pervolarides wird uns besuchen und von der Lage in Griechenland und seinen Projekten berichten. Einen Eindruck vermittelt auch schon dieses Interview:

Die Schnittstelle

…vertreibt Nahrungsmittel von Kollektiven, Kommunen, alternativen Projekten und Kleinstproduzent_innen. In ihren Räumen kann die erste Lieferung von SoliOli Anfang Oktober abgeholt werden. Informationen auf http://schnittstelle.blogsport.de

Bezug zu „Anders Leben und Arbeiten in Berlin-Brandenburg“

SoliOli knüpft an und ist eingebettet in regionale Initiativen, greift aber offensichtlich räumlich darüber hinaus. Es tut dies, anders als der anonyme Großhandel, durch direkte Beziehungen zwischen lokalen Initiativen, die auch nicht nur ökonomischen Charakter haben, sondern auch eine persönliche und politische Dimension haben.


Erste Eindrücke

Ein Bericht von Mitorganisator Klaus Prätor:

Solidarität in und mit Griechenland

Am Samstag, 10. Sept. 2016 gestalteten im Rahmen der Wandelwoche die aus dem Solikon2015 hervorgegangene Direktimportinitiative SoliOli und das Selbsthilfeprojekt von und für Arbeitslose „Pervolarides“ (Die Gärtner) aus Thessaloniki eine Kurztour samt Workshop zur aktuellen Lage in Griechenland und zu Situation und Chancen solidarischer Initiativen. Am Beispiel dieser beiden Initiativen thematisierte die Tour Chancen und Probleme der Solidarität in und mit Griechenland – um damit auch gegen unser Vergessen der dortigen wirtschaftlichen Situation zu wirken. Und schließlich wollte er natürlich für solidarisches Wirtschaften und für die praktische Solidarität mit Griechenland werben.

Ein Besuch der „Schnittstelle“ um 13 h informierte zur aktuellen SoliOli-Initiative und zum Vertrieb solidar-ökonomischer Produkte. Die Schnittstelle (http://schnittstelle.blogsport.de) ist ein Vertriebskollektiv. Seine Lebensmittel werden bio, möglichst regional, auf jeden Fall aber jenseits des agrarischen Mainstreams produziert: von Kollektiven, Genossenschaften oder auch KleinstproduzentInnen, die unsere Vorstellungen von einer anderen, solidar-ökonomischen Landwirtschaft teilen. Gut 15 Menschen fanden sich dazu ein.

Zunächst stellte Klaus Prätor die aktuelle Kampagne von SoliOli vor (dazu unten mehr), anschließend wurden Öl, Oliven, Pasten aus dieser Kampagne verkostet, zusammen mit Säften und anderen Produkten der Schnittstelle. Schließlich erläuterte Herbie von der Schnittstelle deren Entstehung, Zielsetzung, aber auch die Probleme, die sich in der Praxis beim Vertrieb solidarischer Produkte ergeben – und stellte sich den Fragen der ZuhörerInnen.

Per Fahrrad oder U8 war von dort sehr schnell die Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten am Moritzplatz erreicht, wo sich bei herrlichem Wetter in der neu errichteten Laube gut 30 Leute versammelten. Es ging um zwei sehr unterschiedliche konkrete Projekte, die aber sehr gut zusammenpassen. Nicht nur weil sie beide (auch) mit Oliven zu tun haben, sondern weil sie aus der Krise hervorgingen, die ja keine griechische war, aber in Griechenland am deutlichsten spürbar wurde, und weil sie einen Beitrag zu deren lebenspraktischen Bewältigung leisten wollen.

Die allgemeine und persönliche wirtschaftliche Situation in Griechenland verschlechtert sich weiterhin, auch wenn unsere Medien nicht mehr darüber berichten. Aufgrund der gegenwärtigen Strukturen reicht die Not bis in die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Filippos Polatsidis berichtete von der griechischen Situation, den aktuellen politischen Maßnahmen, ihrer Auswirkung auf die Landwirtschaft und das Leben und Überleben überhaupt – und von der Initiative „Pervolarides“ (Die Gärtner ) aus Thessaloniki, einer Selbsthilfeinitiative von Arbeitslosen für Arbeitslose, die Gemüse anbaut sowie Honig und Milchprodukte produziert. Sie verteilt auch gespendeten Fisch und Olivenöl aus ungenutzten Olivenhainen. Mittlerweile kümmern sie sich auch um die Arbeiter der selbstverwalteten Fabrik Viome und um Flüchtlinge, die sie versorgen und die ihnen umgekehrt bei der Arbeit helfen. Mittlerweile gehören dazu auch die „Lehrer der Solidarität“, die sich um Weiterbildung und Integration von Geflüchteten kümmern.

Es schloss sich eine rege Diskussion an, in der es um Details des Projekts ging, um Finanzierung, aber auch um die Beziehung zur lokalen Politik (eher problematisch) und um Reichweite und politische Reichweite und Grenzen derartiger Projekte. Dann wurden aber auch konkrete Fragen zur persönlichen Situation gestellt. Die Antwort fasst wie ein Brennglas die griechische Lage zusammen. Als biomedizinischer Ingenieur mit hohen Abschlüssen und internationalen Zertifikaten hat Filippos nach dem Zusammenbruch der entsprechenden griechischen Industrie keine Chance auf eine Beschäftigung in seinem Fach mehr und ist, nach einem Jahr geringer Arbeitslosenhilfe nun ohne jede weitere öffentliche Unterstützung auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen, bei denen er wieder wohnt. Er resigniert aber nicht, sondern baut die Initiative Pervolarides (mit) auf.

Anschließend stellte sich die Initiative SoliOli vor.(http://solioli.de) Ihr geht es nicht nur um den Import qualitativ hochwertiger und günstiger Produkte. Mit deren Erwerb werden selbstverwaltete Projekte solidarischer Ökonomie in Griechenland unterstützt – und damit auch Strukturen für die inländische Versorgung. Sie wurde auf dem Solikon-Kongress im Herbst 2015 in Berlin gestartet – zusammen mit dem griechischen Partner Solidarity4All. Seit dem Beginn der Krise haben sich in Griechenland eine Vielzahl von solidarischen und kooperativen Initiativen gebildet. Suppenküchen, Solidarkliniken, Direktvermarktung (without middlemen), Tauschmärkte – S4All versucht, diese zu vernetzen, zu unterstützen, bekannt zu machen – und internationale Solidarität herzustellen; und SoliOli will dies durch den Aufbau solidarwirtschaftlicher Ketten oder Netze zwischen Griechenland und Deutschland tun – zunächst am Beispiel von Oliven und Olivenöl. SoliOli sieht das nicht als Ersatz für politisches Handeln, sondern als dessen notwenige Ergänzung, die durch den Aufbau autonomer Strukturen langfristig auch die politische Erpressbarkeit reduzieren kann.

Hinter der jetzigen konkreten Kampagne steht ein breiteres Konzept der Solidarität mit Griechenland und den anderen Ländern des europäischen Südens. Diese sind ja einerseits derzeit Krisenländer, aber nicht nur: sie waren andererseits in den letzten Jahrzehnten auch Gegenstand unserer Sehnsucht. Nicht nur Urlaube haben wir dort verbracht, sondern auch Anregungen für private und gesellschaftliche Lebensentwürfe von dort mitgenommen. Aus beiden Aspekten speist sich die Solidarität mit Europas Süden. Sie reicht von politischer Aufklärung und Aktion hierzulande bis zu persönlichen Begegnungen. Der Import von Olivenöl ist nur eine mögliche Aktivität unter vielen.

 

Das Plakat zum Download findet ihr hier: PLAKAT SoliOli A1