Gegen Windmühlen – solidarische Strukturen im Oderbruch

Kleine Anmerkung: Die im letzten Absatz angekündigte Tour findet im Oktober statt. Mehr zu den Anschlussveranstaltungen an die Wandelwoche erfahrt ihr in unserem Newsletter, für den ihr euch auf unserer Seite anmelden könnt.

Zollbrücke – 5 Meter über dem Meeresspiegel, 20 Einwohner*innen, historische Fachwerkhäuser, plattes Land und Obstwiesen hinterm Deich, direkt an der Oder. Einen Katzensprung von Polen entfernt im Landkreis Märkisch-Oderland gelegen, führte eins eine Holzbrücke auf die andere Seite des Flusses, für ihr überqueren wurde Zoll verlangt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Brücke von einer der vielen Überschwemmungen, die das Flachland des Oderbruchs immer wieder überfluten, weggespült und nicht wieder erneuert. Der Landkreis Märkisch-Oderland, am östlichsten Zipfel Brandenburgs, ist dünn besiedelt. Bis Berlin sind es 80 Kilometer, der nächste Bahnhof liegt ca. 16 Kilometer entfernt. In den 90er Jahren vernachlässigt, haben vor allem Großstadtfliehende auf der Suche nach bezahlbarem Eigentum und Ackerflächen die Region für sich entdeckt. Inzwischen sind Bau- und Ackerland allerdings rar oder unerschwinglich. Die Landschaft wird bestimmt durch großflächige Landwirtschaft und Monokulturen, viele Dorfstrukturen liegen abseits der touristisch belebten Radwanderwege und der Sommermonate brach.

Fernab des regen Durchlaufs an Fahrradtourist*innen auf dem Oder-Neiße-Radweg, versuchen kleinbäuerliche und ökologische Landwirtschaftsbetriebe und ein aktives Netzwerk an Junglandwirt*innen der Agrargroßindustrie ein Stück Land abzuringen. Für die Region bedeutet die Ansiedlung kleinteiligerer und solidarischer Wirtschaftsbetriebe vor allem auch die Wiederbelebung regionaler Handels- und Sozialstrukturen. In Zollbrücke ist es der Kulturbetrieb, der mit dem Theater am Rand einen neuen Ort der Zusammenkunft und Anzugspunkt für Menschen aus der Region und darüber hinaus geschaffen und – ganz im Sinne des guten Lebens für alle, überall – in Bau und Betrieb von Theater, Café und Restaurant Themen wie Ökologie und Regionalität mitdenkt.

Ein Kampf gegen Windmühlen und doch sind es die kleinen Geschichten des Gelingens, die wir im Auge behalten, zusammenführen und weitertragen wollen. Was können kleinbäuerliche Strukturen zur Wiederbelebung sozialer Strukturen in ländlichen Regionen beitragen? Warum werden wird dem Boden mit konventioneller Bewirtschaftung bald kein Körnchen Energie für Nahrungsmittel mehr abringen können? Welche Verantwortung haben wir als Konsument*innen gegenüber den Menschen und der Natur, die uns versorgen?

In der Wandelwoche habt ihr die Möglichkeit auf einer Fahrradtour den Solidarischen Landwirtschaftsbetrieb Basta, den Vierseit-Hof Organischer Landbau Bienenwerder und das Theater am Rand Zollbrücke kennenzulernen. Packt eure Fragen und Ideen ein! Das genaue Datum und der Treffpunkt folgen demnächst, die ersten Orte des Wandels, die Teil der Wandelwoche sind findet ihr auf der Karte unseres Medienpartner imwandel: http://bbb.wandelwoche.org/karte/